Warum Versorgungswerke?

Der Gedanke einer berufsspezifischen Altersversorgung hat in den klassischen »freien Berufen« bereits eine lange Tradition. Bei den Angehörigen der Heilberufe, den Architekten, den Notaren und den Wirtschaftsprüfern bestehen berufsständische Versorgungswerke schon seit langem. Deren positive Erfahrungen führten dazu, dass nunmehr auch bei den Steuerberatern eine breite Bewegung entstanden ist, ein Versorgungswerk zu schaffen. Bei den Rechtsanwälten bestehen in ganz Deutschland Versorgungswerke bzw. sind in Gründung.

Entscheidend hierfür sind im wesentlichen folgende Überlegungen:

     

  • Das Versorgungswerk ist keine Einrichtung, die uns »von außen« oktroyiert wird. Vielmehr gestalten die Mitglieder das Versorgungswerk selbst. Alle sind aufgerufen, bei der Ausgestaltung des Versorgungswerkes ihre Vorstellungen mit einzubringen. Jede(r) kann in den Gremien des Versorgungswerkes mitarbeiten. Die Mitwirkungsmöglichkeiten im Versorgungswerk sind damit ungleich größer als z.B. die in der privaten Lebensversicherung oder der BfA.

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  • Die Mitgliedschaft im Versorgungswerk ermöglicht die Befreiung von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Diesen Vorteil bietet die private Lebensversicherung nicht.

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  • Alle »arbeitsnehmerähnlichen Selbständigen«, und dies betrifft vermutlich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, sind nach den Neuregelungen des Sozialgesetzbuches versicherungspflichtig. Dies war bislang anders.

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  • Die Vereinbarkeit von Pflichtmitgliedschaft und freiem Beruf wurde mehrfach vom  Bundesverfassungsgericht bestätigt mit den besonderen Aufgaben, die die freien Berufe wahrnehmen, begründet. einen hohen Leistungsstandard bei der Wahrnehmung  öffentlicher Aufgaben kann nur der Berufsstand erbringen, in dem der Einzelne gegen  die Risiken des Lebens ausreichend abgesichert ist. Deshalb ist eine vernünftige  Basisversorgung besonders wichtig. Die Pflichtmitgliedschaft begründet in diesem  Zusammenhang auch Rechte, nämlich: 

       

    • sofortigen Schutz ohne Wartezeit
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    • keine Gesundheitsprüfung
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    • kein höherer Beitrag bei erhöhtem Risiko

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  • Manche sagen, die freien Berufe bräuchten keine Pflichtversicherung wie die Versorgungswerke, es reiche eine private Lebensversicherung aus.
     
     Ein Vergleich zwischen Versorgungswerken und privater Lebensversicherung ist wegen der Unterschiedlichkeit der Leistung, der Unterschiedlichkeit des Finanzierungsverfahren und der Vielfalt der Angebote der Lebensversicherungsgesellschäften im Einzelnen nur sehr schwer möglich. Grundsätzlich gilt aber folgendes:

     

       

    • Die dynamische Berufsunfähigkeits-, Alters- und Hinterbliebenenversorgung sichert Alter, Berufsunfähigkeit und Hinterbliebene besser als ein Kapitalbetrag.

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    • Lebensversicherungsbeiträge sind in der Regel einkommensunabhängig. Die an das Versorgungswerk zu zahlenden Beiträge richten sich nach der Höhe des Einkommens, was insbesondere jüngeren Kolleginnen und Kollegen,die noch nicht soviel Umsatz erwirtschaften, einen " niedrigschwelligen" Einstieg in das Versorgungswerk ermöglicht.

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    • Eine Lebensversicherung bietet zwar Vorteile bei Deckung eines Kapitalbedarfs zu einem bestimmten Zeitpunkt. Nach Auszahlung der Versicherungsleistung ist sie jedoch keine kaufkraftstabile Altersvorsorge mehr, wie sie durch einkommensbezogene Beitragsdynamik und die Rentenanpassungen des Versorgungswerks gewährleistet wird. Versorgungswerke bieten damit eine vernünftige Basisversorgung zu einem sehr günstigen Preis, da weder Werbekosten noch Verkäuferprovisionen anfallen.

       
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  • Gerade in jüngster Zeit wird argumentiert, Versorgungswerke seien Auslaufmodelle, da der Staat ihnen ablehnend gegenüberstehe und das von den Versorgungswerken angesammelte Kapital benötigt werde, um die Rentenversicherung zu sanieren.
     
     Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet: die Renten und Anwartschaften der Versorgungswerke sind durch die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes geschützt. Zudem gibt es zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und den Versorgungswerken eine "Friedensgrenze": Die Versorgungswerke sind durch die Regelung in §6 Abs 1 Nr. 1 SGB VI auf die klassischen "Freien Berufe" begrenzt. Nur noch die klassischen "Freien Berufe" haben die Möglichkeit Versorgungswerke zu gründen, so dass die Gefahr einer Aushöhlung der gesetzlichen Rentenversicherung nicht besteht und es den "Einverleibungsversuchen" deshalb auch an der notwendigen ökonomischen Plausibilität fehlt. 

       

    • "Gesetzliche Rentenversicherung und Versorgungswerke haben als Pflichtversorgung die gleichen Schwächen."
       Auch dies ist ein falsches Vorurteil. Versorgungswerke und gesetzliche Rentenversicherung haben unterschiedliche Finanzierungsverfahren. Die gesetzliche Rentenversicherung basiert auf dem Generationsvertrag und wird nach dem Umlageverfahren finanziert. Die heutigen Erwerbstätigen finanzieren die heutigen Rentner. Die Versorgungswerke hingegen arbeiten mit kapitalbildenden Finazierungsverfahren d.h. es werden Rücklagen gebildet. Im Prinzip spart jedes Mitglied seine eigene Rente selbst an.

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    • Manche meinen, bei privaten Rentenversicherungen sei das Geld besser angelegt weil dort mehr professioneller Sachverstand vorhanden sei.
       Bei der Vermögensanlage sind sowohl private Rentenversicherungen als auch die Versorgungswerke an die Vorschriften des Versicherungsaufsichtsgesetzes gebunden. das Versorgungswerk beschäftigt ebenso professionelle Anlagespezialisten wie andere Versicherungen oder Pensionskassen, so daß eine gleich gute und gleich sichere Vermögensanlage gewährleistet ist. Um die Dynamik der Wirtschaft zu berücksichtigen, erfolgt ein Teil der Vermögensanlage in Aktien und sonstigen Anlageformen. Aufgrund des Anlageprinzips "Sicherheit geht vor Rendite" wird aber der Großteil der Gelder in festverzinslichen Wertpapieren mit festen Laufzeiten angelegt

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    • "Bieten die Versorgungswerke ausreichende individuellen Gestaltungsmöglichkeiten?"
       Zweck der Versorgungswerke ist es, von Anfang an die zentralen Risiken des Lebens ihrer Mitglieder abzudecken. Versorgungswerke definieren sich daher als Fundament der Versorgung. Individuellen Gestaltungsmöglichkeiten wird zum einen in der Satzung Rechnung getragen (Vorziehung der Altersrente, freiwillige Zuzahlungsmöglichkeit), zum anderen ermöglichen die Versorgungswerke dem Mitglied, seine Regelaltersvorsorge mit anderen individuell gestalteten Vorsorgemöglichkeiten zu kombinieren.

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